Landauer Akademiegespräche 2025/2026: Wer gehört dazu?
Zum alten Eisen? - Altersdiskriminierung in der alternden Gesellschaft (20.01.2026)
Werden ältere Menschen in unserer Gesellschaft diskriminiert? Oder haben sie im Gegenteil zu viel Einfluss; blockieren sogar notwendige Veränderungen? Wie steht es um die gesellschaftliche und politische Teilhabe älterer Menschen?
Über diese Fragen diskutierten wir zum Abschluss unserer Landauer Akademiegespräche 2025/26 und beleuchteten beide Seiten des paradoxen Nebeneinanders von Altersmacht und Altersdiskriminierung.
Dr. Julia Simonson, kommissarische Leiterin des Deutschen Zentrums für Altersfragen, zeichnete zunächst das Bild einer vielfältigen Aktivität und Teilhabe im Alter. Ältere Menschen seien in der Regel gut eingebunden durch Engagement, Familie und andere gesellschaftliche Aktivitäten. Einsamkeit komme zwar vor, sei aber nicht vorrangig ein Altersthema. Besonders wichtig sei es dabei allerdings, die Heterogenität der Menschen im Rentenalter zu betrachten. Vor allem habe soziale Ungleichheit Auswirkungen auf die Lebensqualität und Teilhabemöglichkeiten im Alter, schlussfolgerte Julia Simonson aus den Daten des Deutschen Alterssurvey. Daneben seien vor allem erkrankte Menschen von Altersdiskriminierung betroffen. Generell sei Altersdiskriminierung auf die Verbreitung von Stereotypen zurückzuführen – etwa wenn eine Fortbildung älteren Mitarbeitenden im Unternehmen nicht mehr zugetraut wird.
Dr. Regina Görner, Vorsitzende der BAGSO – Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen e.V., betonte die hohe Engagement-Bereitschaft der Älteren. Problematisch sei es daher, wenn ältere Menschen vom Engagement ausgeschlossen würden, weil ihnen zu wenig zugetraut wird. Dies werde den Menschen mit all ihren Fähigkeiten nicht gerecht und laufe der gesellschaftlichen Entwicklung entgegen, in der vor allem Ältere Zeit und Lust zum Engagement hätten. „Das neue 35 ist die 70“, erklärte Görner, gerade auch in Hinblick auf den Vereinsnachwuchs gehe. Mehr gesellschaftliche Beachtung finden müsse zudem die Altersdiskriminierung als ein Mechanismus, in Arbeitswelt und Gesellschaft Konkurrenz kalt zu stellen. Ältere sollten es nicht hinnehmen, wenn sie rechtliche Hürden vorfinden (etwa aus Altersgründen keine Schöffen werden dürfen), vor digitale Hürden durch sich ständig wandelnde Apps gestellt werden oder Benachteiligungen z.B. bei der Kreditvergabe erfahren.
In der Diskussion mit dem Publikum betonten beide, wie wichtig der Abbau von Stereotypen und Vorurteilen gegen Ältere sei, um Altersdiskriminierung zu verhindern. Julia Simonson ergänzte unter anderem, dass Engagement stärker als Lern- und Begegnungsort ernst genommen werden müsse, um Generationen zusammenzubringen und Vorurteile abzubauen. Regina Görner brachte zudem ein möglichst umfassendes staatliches Rentensystem zur Verhinderung von Altersarmut ins Spiel, das weitestgehend auf private und kapitalgedeckte Elemente verzichtet.
Über diese Fragen diskutierten:
Dr. Regina Görner, Vorsitzende der BAGSO – Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen e.V.
Dr. Julia Simonson, kommissarische Leiterin des Deutschen Zentrums für Altersfragen
Die Landauer Akademiegespräche sind eine Reihe des Frank-Loeb-Instituts, der evangelischen Akademie der Pfalz und der Stadt Landau.
Wer bestimmt die Zukunft? - Macht und Ohnmacht der jungen Generation (14.01.2026)
Wie mächtig oder machtlos ist die junge Generation? Wie können junge Menschen stärker an politischen Entscheidungen beteiligt werden – insbesondere dann, wenn es um Zukunftsthemen geht? Und wie viele junge Menschen wollen überhaupt selbst politisch aktiv werden? Über diese Fragen diskutierten wir bei dieser Veranstaltung im Rahmen der Landauer Akademiegespräche.
Prof. Dr. Albert Scherr, Seniorprofessor für Soziologie an der Pädagogischen Hochschule Freiburg, setzte den wissenschaftlichen Rahmen des Abends. Die Datenlage zeige, dass die Jugendbeteiligung gut und insgesamt besser als noch vor einigen Jahren sei. Jedoch könnten die Parteien der Mitte hiervon kaum profitieren. Sie seien zu unattraktiv für junge Menschen. Auch Institutionen wie Jugendparlamente könnten nur eine bestimmte, sehr begrenzte Gruppe von Jugendlichen begeistern. Problematisch sei zudem, dass Jugendbeteiligung auf kommunaler Ebene zwar häufig funktioniere, auf Bundes- oder Europaebene aber kaum vorhanden sei. Dies sei frustrierend für junge Menschen, die in einer krisengeplagten Zeit wirklich etwas verändern wollten. Die zentrale Aufgabe von Parteien, politischen Bildner*innen, offener Jugendarbeit und anderen sei es daher, Jugendliche zu „ermutigen unter den Bedingungen realer Ernüchterung“, schlussfolgerte Prof. Scherr.
Lasse Rebbin, bis vor Kurzem stellvertretender Bundesvorsitzender der Jusos, berichtete aus seinen eigenen Erfahrungen aus 10 Jahren politischem Engagement. Den vielzitierten Vorwurf, Jugendliche wären nicht an politischem Engagement interessiert, wies er zurück. Dies gelte nur für die Parteien. In anderen Formen seien junge Menschen sehr wohl engagiert: oftmals digitaler, stärker anlassbezogen und flexibler, als dies früher der Fall gewesen sei. Beispielsweise hätte Fridays for Future viele junge Menschen politisiert und auch langfristig das ökologische Denken gestärkt. Die überalterten Strukturen und langsamen Prozesse der großen Parteien würden hingegen für ein großes Maß an Frustration gerade bei den Jungen sorgen. Als mögliche Lösungen skizzierte Rebbin eine verstärkte Bildungsarbeit der Parteien, offene innerparteiliche Diskussionen, die sich nicht nur am Regierungshandeln orientieren, verstärkte Bündnisarbeit und Strukturreformen. Zudem sei es wichtig, junge Menschen als politisch Handelnde ernst zu nehmen.
Einig waren sich beide Gäste in der von Prof. Dr. Manuela Glaab moderierten Diskussion darin, dass die Zukunftsprobleme in Deutschland längst nicht nur ein Problem der jungen Generation seien. Jüngere und Ältere müssten und wollten sie gemeinsam lösen. Viel relevanter als ein angeblicher Generationenkonflikt seien Verteilungskonflikte auf Grund sozialer Ungleichheiten.
Über diese Fragen diskutierten:
Prof. Dr. Albert Scherr, Seniorprofessor für Soziologie an der Pädagogischen Hochschule Freiburg
Lasse Rebbin, ehemaliger stellvertretender Bundesvorsitzender der Jusos
Die Landauer Akademiegespräche sind eine Veranstaltungsreihe des Frank-Loeb-Instituts der RPTU, der evangelischen Akademie der Pfalz und der Stadt Landau.
Angekommen und trotzdem draussen? - Rassismus und Fremdenfeindlichkeit (04.12.2025)
Deutschland ist ein Einwanderungsland. Millionen Menschen sind in den vergangenen Jahrzehnten eingewandert, haben sich hier ein Leben aufgebaut und in vielen Fällen die deutsche Staatsbürgerschaft erlangt. Sie sind in Deutschland angekommen – und werden doch immer wieder ausgegrenzt. Menschen mit einem als ausländisch empfundenen Namen haben es schwerer, einen Job oder eine Wohnung zu finden. Die Zahl der rassistisch motivierten Straf- und Gewalttaten nimmt zu.
Was sind Ursachen und Wirkungen von fremdenfeindlichem und rassistischem Denken? Wie tief verwurzelt sind solche Vorurteile in der deutschen Gesellschaft? Gegen wen richten sich fremdenfeindliche Diskriminierungen und inwieweit verhindern sie eine gelingende Integration? Welche Maßnahmen können Abhilfe schaffen? Und wie können wir freiheitliche Werte gegen Islamismus oder Antisemitismus verteidigen, ohne rassistische und islamophobe Stereotype zu bedienen?
Über diese Fragen diskutierten:
Prof. Dr. Beate Küpper, Professorin für Soziale Arbeit, Hochschule Niederrhein, Mitautorin der »Mitte-Studie«
Gari Pavkovic, 24 Jahre lang Integrationsbeauftragter der Stadt Stuttgart
Die Landauer Akademiegespräche sind eine Reihe des Frank-Loeb-Instituts, der evangelischen Akademie der Pfalz und der Stadt Landau.
Wer ist willkommen? – Zuwanderung und Flüchtlingspolitik (24.11.2025)

Die Migrationspolitik gehört zu den strittigsten Politikfeldern. Mit einfachen Antworten nutzen populistische Parteien das Thema für sich. Doch die praktischen, rechtlichen, humanitären und ethischen Fragen rund um Zuwanderung und Flucht sind ausgesprochen komplex. Lange überwog in Deutschland die humanitäre Verpflichtung gegenüber flüchtenden Menschen. Inzwischen bestimmen hingegen die Überforderung kommunaler Aufnahmeeinrichtungen und ein Wunsch nach größerer kultureller Homogenität den Diskurs. Die Bundesregierung hat sich daraufhin eine Wende in der Migrations- und Asylpolitik vorgenommen.
Was ist das Asylrecht noch wert? Nach welchen Kriterien soll über Zuwanderung und Aufnahme Schutzsuchender entschieden werden? Dass Aufnahmegesellschaften ihre Grenzen kontrollieren und Migration steuern wollen, ist ein legitimes Anliegen. Was aber bedeutete das für die Ansprüche Schutzsuchender? Und was ist rechtlich, finanziell und praktisch überhaupt machbar?
Über diese Fragen diskutierten wir mit:
Gerald Knaus, Migrationsforscher an der Denkfabrik Europäische Stabilitätsinitiative (ESI)
Tareq Alaows, Flüchtlingspolitischer Sprecher von Pro Asyl e.V.
Die Landauer Akademiegespräche sind eine Reihe des Frank-Loeb-Instituts, der evangelischen Akademie der Pfalz und der Stadt Landau.






