Alumni-Portrait: Lena Förthmann
Kein gerader Weg - aber der richtige
Mir ging es damals wie vielen: Ich wusste nicht genau, was mich erwartet. Der Start in Landau war kein klarer Plan, sondern eher ein Schritt ins Ungewisse – mit viel Neugier, aber auch Unsicherheit. Ich hatte zunächst eine Ausbildung zur Bankkauffrau gemacht. Danach folgten der Bachelor und später der Master in Sozial- und Kommunikationswissenschaften. Es war keine gerade Linie, sondern eine Entwicklung über verschiedene Stationen hinweg. Gerade diese Kombination hat meinen Blick geprägt: die Erfahrung aus der Praxis auf der einen Seite – und die Möglichkeit, Organisationen, Kommunikation und Menschen aus einer wissenschaftlichen Perspektive neu zu betrachten, auf der anderen.
Die Stärke der Offenheit
Das Studium in Landau war für mich kein klassischer Ausbildungsweg, sondern ein offener Denkraum. Nicht einzelne Inhalte stehen im Vordergrund, sondern die Art, wie gedacht und diskutiert wurde. Kleine Seminargruppen, intensive Auseinandersetzungen und ein Umfeld, in dem Perspektiven nicht nur zugelassen, sondern aktiv eingefordert wurden, haben mir früh gezeigt, wie komplex soziale und organisationale Zusammenhänge sind.
Viele haben den Studiengang als „zu offen“ beschrieben. Ich habe genau darin seine Stärke erlebt. Ich hatte nie das Gefühl, auf einen einzigen Berufsweg festgelegt zu sein, sondern habe gelernt, mich in unterschiedliche Themen einzuarbeiten und Dinge aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten.
Wenn man Sozial- und Kommunikationswissenschaften studiert, denkt man nicht automatisch an eine Managementberatung mit starkem Fokus auf Digitalisierung. Doch genau dort bin ich heute: Ich bin direkt nach dem Studium bei der plenum AG in der Unternehmensberatung eingestiegen und mittlerweile als Senior Consultant tätig. Hier hat sich gezeigt, wie anschlussfähig mein Studium an der Universität Landau war.
Zwischen Digitalisierung, Transformation & Menschen
Heute arbeite ich in Digitalisierungs- und Transformationsprojekten – also in einem Umfeld, in dem Technologien eingeführt werden, Prozesse sich verändern und Organisationen sich unter hohem Veränderungsdruck neu ausrichten.
Auf den ersten Blick geht es dabei oft um Systeme, IT oder Prozesse. In der Praxis geht es jedoch vor allem darum, dass sehr unterschiedliche Perspektiven aufeinandertreffen: Management, IT, Mitarbeitende und Kund:innen.
Genau hier liegt mein Schwerpunkt. Ich arbeite in Projekten dort, wo diese Welten nicht automatisch miteinander sprechen, wo Begriffe unterschiedlich verstanden werden, Erwartungen nicht zusammenpassen und Entscheidungen nur funktionieren, wenn sie übersetzt werden. Ich verstehe mich deshalb als Übersetzerin zwischen Welten – nicht im Sinne von Information, sondern im Sinne von Bedeutung: zwischen Denklogiken, Interessen und Erfahrungen.
Im Kontext von Digitalisierung und KI wird diese Fähigkeit noch wichtiger. KI kann Daten verarbeiten, Muster erkennen und Entscheidungen vorbereiten. Was sie nicht leisten kann, ist verstehen, wie soziale Situationen entstehen, wie Bedeutungen ausgehandelt werden oder warum Menschen in Organisationen unterschiedlich reagieren.
Genau darin liegt der Kern sozialwissenschaftlicher Kompetenz: Kontext verstehen, Perspektiven einordnen und zwischen unterschiedlichen Logiken vermitteln.
Praxis als Schlüssel zur Orientierung
Ein wichtiger Teil meines Studiums war nicht nur das Lernen im Hörsaal, sondern das frühe Sammeln praktischer Erfahrungen. Gerade in einem Fach ohne klar definiertes Berufsbild ist das entscheidend.
Nicht wegen Lebenslauf oder kurzfristiger Vorteile, sondern um herauszufinden, in welchem Feld man später arbeiten möchte. Diese Orientierung entsteht selten theoretisch, sondern durch Erfahrung.
Deshalb habe ich meine Masterarbeit im Unternehmen geschrieben – bei der Sparkasse Südpfalz zum Thema Digital Leadership. Ich konnte tief in ein konkretes Feld eintauchen und sehr nah an realen organisatorischen Fragestellungen arbeiten. Diese Phase war für meinen Übergang in den Beruf besonders prägend.
