Aktuelles
ask-Vortrag von PD Dr. Nina Kalwa am 18.6.2026
Der Arbeitskreis Sprach- und Kulturwissenschaft des Instituts für Germanistik lädt ganz herzlich
zum Vortrag von PD Dr. Nina Kalwa (Universität Tübingen)
am Donnerstag, 18. Juni 2026 ab 18.00 Uhr (c.t.) in der Roten Kaserne, Marktstraße 40, Raum 005 ein.
Die Veranstaltung ist öffentlich. Das Thema lautet:
Von imitierten Individuen und künstlichen Gefährten:
Künstliche Intelligenz und kommunikative Praktiken
Abstract:
Menschliche Kommunikation ist kulturell konstruktiv (Schröter i. Dr.) und zugleich kulturell konstituiert. Das bedeutet, dass Kultur durch kommunikative Praktiken (mit) hervorgebracht wird, und kommunikative Praktiken gleichzeitig kulturell bestimmt sind. Die Tatsache, dass seit nunmehr einigen Jahren nicht mehr nur Menschen Sprache produzieren, sondern Sprache auch von KI generiert wird, hat Auswirkungen auf Kommunikationskulturen und verändert Kommunikation: Welchen Stellenwert haben Beziehungen, wenn nicht mehr nur Menschen daran beteiligt sind? Welche Erwartungen haben wir an digitale Kommunikate, wenn wir wissen, dass sie grundsätzlich auch KI-generiert sein können? Allein das Wissen um die Existenz von KI-generierten (Bewegt-)Bildern scheint das Vertrauen in digitale Kommunikate zu erschüttern. Gleichzeitig wird laut Krämer (2021: 36) durch die Digitalisierung „die Anbindung von Wahrheit an Vertrauen immer unauflöslicher“.
Der Vortrag begreift sprach-generierende KI als Imitationen des Menschen und diskutiert den Einfluss künstlicher Intelligenz auf Kommunikationskulturen. In diesem Zusammenhang werden zum einen Diskussionen um (vermeintlich) künstlich erzeugte digitale Kommunikate betrachtet und es wird diskutiert, welche Aspekte solcher Kommunikate die digital Kommunizierenden irritieren, wie die Kommunizierenden diese Irritationen äußern und welche Schlussfolgerungen sich dabei bezogen auf gesellschaftliche common grounds (Clark/Brennan 1991) ziehen lassen. Zum anderen betrachtet der Vortrag Metakommunikation im Zusammenhang von ‚AI Companionship‘ und zeigt, wie sich dabei ein mehrfaches Sich-Ausrichten vollzieht, nämlich gegenüber sprachgenerierender KI sowie an sprachgenerierender KI und gegenüber verschiedenen menschlichen Gruppen.
Clark, Herbert H./Brennan, Susan E. (1991): Grounding in communication. In: Resnick L.B., Levine J.M., Teasley S.D. (Hrsg.): Perspectives on Socially Shared Cognition.Washington, DC, 127–149.
Krämer Sybille (2021): Der Verlust des Vertrauens. Medienphilosophische Perspektiven auf Wahrheit und Zeugenschaft in digitalen Zeiten. In: Schicha C., Stapf I., Sell S. (ed): Medien und Wahrheit. Medienethische Perspektiven auf Desinformation, Lügen und „Fake News". Kommunikations- und Medienethik 15, 1, Nomos Baden-Baden, 25–42.
Schröter, Juliane (i. Dr.): Kulturell konstruktiv. Sprachtheoretische Perspektiven der Kulturlinguistik. In: Juliane Schröter/Anna Pfäffle/Adelheid Wibel (Hrsg.): Kulturell konstruktiv. Sprachtheoretische Perspektiven der Kulturlinguistik. Berlin: de Gruyter (= Linguistik. Impulse und Tendenzen).
